Dritter Engagementbericht

Dritter Engagementbericht

Der Dritte Engagementbericht zur Lage des bürgerschaftlichen Engagement trägt den Titel „Zukunft Zivilgesellschaft: Junges Engagement im digitalen Zeitalter" und widmet sich den großen Herausforderungen und Umbrüche der Digitalisierung, die auch das Engagement maßgeblich betreffen.


Dass der digitale Wandel fundamentale Änderung in sozialer, politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht bewirkt, ist unbestreitbar. Der Bericht trägt diesem Umstand Rechung und macht deutlich, dass in dieser Zeit des Umbruches die gesellschaftliche Bindungskraft wichtiger denn je wird und dass das freiwillige Engagement von essentieller Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt  ist. Und in diesem Zusammenhang wird die Einbindung und das Engagement junger Menschen besonders wichtig sein.


Ziel des Berichts sei es, ein „Schlaglicht auf die Veränderungen des (jungen) Engagements unter dem anhaltenden Einfluss der Digitalisierung zu werfen“. Wie bei so vielen Themen des digitalen Wandels habe auch hier die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig das digitale Engagement und die digitalen Voraussetzungen für das Engagement in Zeiten sozialer Distanz ist.


Der Bericht soll des Weiteren Anregungen geben, wie durch (staatliche) Rahmenbedingungen das junge Engagement gefördert und gestärkt werden kann und soll praxisnahe Handlungsempfehlungen formulieren.


Im Folgenden werden ein paar Punkte herausgriffen:
Den vollständigen Bericht kann man zusammen mit der Stellungnahme der Bundesregierung hier finden, ebenso wie eine Kurzfassung des Berichts.

Zentrale Befunde des Berichts:

I. Junges (digitales) Engagement unterstützen und anerkennen

  • die Kommission betont, dass das Engagement junger Menschen insgesamt hoch ist, allerdings sind auch hier bildungsbezogene Ungleichheiten zu sehen: die Studie zeigt beim digitalen Ehrenamt eine geringere Beteiligung von Jugendlichen an Haupt- und Realschulen sowie offensichtliche Ungleichheiten bezüglich digitaler Kompetenzen von Schüler*innen dieses Bildungszweiges.
  • die Sachverständigen stellen fest, dass auf der Grundlage der Daten kein Anlass besteht, neue digitale Engagementformen abzuwerten. Ganz im Gegenteil: neue Formen des Engagments entstehen, in denen die Jugendlichen technisches Know-how und gemeinwohlorientiertes Denken und Handeln verbinden. Ein relevanter Anteil des Engagements junger Menschen findet inzwischen digital vermittelt statt. Bestehende Formen des Engagements werden durch Formen digitalen Engagements nicht ersetzt, sondern ergänzt. Dabei geht der Bericht auch auf den sogenannten Slacktivism, wie das Unterschreiben einer Petition oder das Teilen eines Spendenausfrufes in den sozialen Medien, ein. Die Kommission verwehrt sich der Herabwürdigung digitalen Engagements und sieht die Gegenüberstellung von alten und neuen Formen des Engagements nicht als zielführend an. Es entstehen darüberhinaus miteinander verschränkte Formen digitaler Beteiligung, die dem Engagement nur nutzen können.
  • auch die Inhalte des Engagements verändern sich durch Digitalität, zum Beispiel eröffnen digitale Tools Möglichkeiten für gesellschaftliche Teilhabe in Bereichen, die zuvor nicht der breiten Öffentlichkeit zugänglich war. Ein Beispiel in diesem Zusammenhang ist die sogenannte Citizen Science, die Teilhabe an der wissenschaftlichen Forschung ermöglicht oder auch die aktive Gestaltung netzpolitischer Fragen, die nun nicht nur Expert*innen vorenthalten sind. 
  • eine weitere, wichtige Erkenntnis der Kommission ist, dass politische Bildung in Kombination mit Medienbildung stärker in den Fokus gerückt werden sollte. Auch ist der Forschungsbedarf hinsichtlich des Umgang der Jugendlichen mit Medien und den daraus resultierenden bildungs- und medienbezogenen Ungleichheiten im (digitalen) Engagements offensichtlich. Hier bedarf es weiterer Studien.

II. (Digitale) Organisationen im Engagementsektor stärken

  • der Bericht kommt zu dem schon bekannten Ergebnis, dass die Digitalisierung im Engagementsektor durchaus ein Thema ist, allerdings in vielen Organisationen der Fokus eher auf die Herausforderungen gelegt wird, als auf die Potenziale der Digitalisierung. Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber der Digitalisierung und ihrer Bedeutung im Engagement ist nicht von der Hand zu weisen.
  • der Bericht formuliert drei Handlungsziele, um (digitale) Organisationen im Engagementsektor zu stärken: zum einen sollen Organisationen, die sich gemeinwohlorientiert für die Digitalisierung als Organisationszweck engagieren, unterstützt werden. Zum anderen sei ein generelles Empowerment des Engagements wichtig, um die Organisationen handlungsfähig im Digitalen Wandel zu machen. Zudem wird die Erweiterung der Strukturförderung betont, etwa durch Multiplikator*innen, dem Aufbau regionaler und thematischer Kompetenzzentren für Digitalisierungsbelange von Engagementsorganisationen etc.

III. Digitale Infrastrukturen für das Engagement entwickeln

  •  es sei schwierig für den Engagement-Sektor eigene digitale Werkzeuge oder Infrastrukuturen zu etablieren, wegen der Dominanz kommerzieller, internationaler Plattformen. Dabei ist es wichtig, dass in diesem Bericht dieses Gefühl der Alternativlosigkeit durchbrochen wird und der Fokus verstärkt auf Plattformen gelegt wird, bei denen das Thema gesellschaftlicher Verantwortung von Plattformen fokussiert wird.  Auch sollte der Vorschlag der Kommission zur Förderung modularer Komponenten einer Open-Souce-Infrastruktur für Plattformen aufgegriffen werden, und nicht nur als Vorschlag im Sande verlaufen.

Fazit:

Für Engagement-Organisationen stellt die Digitalisierung einen Strukturwandel dar. Auf diesen Strukturwandel reagieren Organisationen sehr unterschiedlich: Einige von ihnen sehen vor allem Herausforderungen, andere in erster Linie Potenziale. Diese Befunde sind an sich schon bekannt. Schön ist, dass der Dritte Engagementbericht sich mit dem Einfluss der Digitalisierung im Engagement und in der politischen Beteiligung auf die Zivilgesellschaft und die Demokratie ingesamt beschäftig - ein Thema, dass auch bei uns im Forum Digitalisierung und Enagement einen großen Stellenwert hat. Besonders hervorzuheben ist , dass auf Grund weniger Studien, die sich mit dem Themenkomplex Engagement und digitaler Wandel beschäftigen, eine DEB-Jugendbefragung 2019 durchgeführt wurde und sich so ein besseres Bild des jugendlichen Engagements im digitalen Zeitalter ergibt.

Insgesamt zeigt der Dritte Engagementbericht, dass das (digitale) Engagement im digitalen Wandel auf einem guten Weg ist, es aber noch Baustellen und viel Luft nach oben gibt.

Die Ergebnisse des Dritten Engagementberichts haben ausgewählte Mitglieder der Sachverständigenkommission am 23. Juni in einer digitalen Session vorgestellt und diskutiert. Die Aufzeichnung der Session kann man sich in der Mediathek der BMFSFJ anschauen.

Hintergrund: Die Bundesregierung ist durch einen Beschluss des Deutschen Bundestages vom 19. März 2009 aufgefordert, in jeder Legislaturperiode einen wissenschaftlichen Bericht zur Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements vorzulegen. Diese Engagementberichte werden von einer unabhängigen Kommission im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erstellt und danach mit einer Stellungnahme der Bundesregierung versehen.