Das Forum fragt...

... Expert*innen antworten und die Zivilgesellschaft diskutiert - jetzt mitmachen und gemeinsam den Digitalen Wandel gestalten!

Dauerangebot

Sollten zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Mitarbeiter*innen für den Umgang mit rechtsextremen Parolen/Rassismus/Hass im Netz schulen?

Das Forum fragt: Sollten zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Mitarbeiter*innen für den Umgang mit rechtsextremen Parolen/Rassismus/Hass im Netz schulen? Timo Reinfrank antwortet!

Timo Reinfrank antwortet:

"Aber unbedingt sollten sie das tun! Der digitale Raum entwickelt sich seit Jahren zum größten Resonanzraum für menschen- und demokratiefeindliche Inhalte. Auch Hass und Hetze finden teils leider virale Verbreitung – egal, ob spontan ins Netz gespien oder in von antidemokratischen Akteuren bewusst orchestrierten Hate Storms. Diese Verrohung in den Sozialen Medien ebnet im schlimmsten Fall auch ganz analoger Gewalt den Weg.

Starke Digitale Zivilgesellschaft

Dagegen müssen natürlich einerseits Politik und Netzwerkbetreiber vorgehen. Unsere Erfahrung zeigt uns aber, dass eins der wirksamsten Mittel gegen Hate Speech eine starke Digitale Zivilgesellschaft ist. Das heißt, auch in den Sozialen Netzwerken braucht es Solidarität und gemeinsame Antworten auf konkrete Fälle von Anfeindungen und Hass – denn die Strategie der Demokratiefeind*innen, progressive Stimmen im Netz durch Shitstorms mundtot zu machen, geht nicht auf, wenn wir uns gegenseitig nicht alleine mit dem Hass lassen. (33 Tipps, wie diese Solidarität im Netz konkret aussehen kann, finden sich hier)

Schulungen zum Umgang mit Hass im Netz

Doch gerade wer online für eine demokratische Debattenkultur und gegen Menschenfeindlichkeit einsteht, wird immer häufiger selbst zur Zielscheibe. Damit Mitarbeitende nicht unvorbereitet in diese Situation geraten, empfehlen wir dringend, auch präventiv Schulungen und Workshops zum Umgang mit Hass im Netz wahrzunehmen. In Berlin bietet unser Projekt „Civic.Net – Aktiv gegen Hass im Netz“ solche Schulungen an.

Hier werden zivilgesellschaftliche Organisationen etwa darin unterstützt, positive Leitbilder für ihre Seitenmoderation und Regeln für die „Netiquette“ zu entwickeln. Auf dieser Basis lässt sich dort dann engagiert moderieren und Hassredner*innen Grenzen aufzeigen. Außerdem ist es sinnvoll, auch im Social Media-Bereich Netzwerke mit anderen Organisationen zu bilden, um sich im Fall der Fälle gegenseitig unterstützen zu können.

Gehen wir das Thema also proaktiv an, für eine selbstbewusste, bunte, demokratische Zivilgesellschaft – auch online!“

 

Portraitfoto Timo Reinfrank
Timo Reinfrank ist Politikwissenschaftler und setzt sich als Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung für eine demokratische Zivilgesellschaft ein.

(Copyright:  Amadeu Antonio Stiftung, Fotograf: Peter van Heesen)

 

 

 

Das Forum kommentiert:

Eine anfangs aufgestellte These des Forums Digitalisierung und Engagement war, dass eine jede gemeinnützige Organisation für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Schutz der demokratischen Grundordnung verantwortlich ist.  Das bürgerschaftliche Engagement ist häufig Ziel von Anfeindungen und Unterstellungen durch Rechtspopulisten und Rechtsextreme. Strategien, um auf demokratiegefährdende Kommunikation, auf Hass, Verleumdung, Fake News und Bots adäquat zu reagieren und auf den digitalen Raum demokratiestärkend einwirken zu können, werden jedoch fast ausschließlich von Demokratieprojekten oder -initiativen entwickelt und umgesetzt. Wir finden aber, dass hier das Engagement aller Organisationen im Feld des bürgerschaftlichen Engagements für Demokratie und Freiheitsrechte erforderlich ist - und zwar zu jeder Zeit und an jedem Ort, ganz unabhängig vom Standort der Organisation oder einer Projektförderung.

Diese These sehen wir durch Herrn Reinfranks Plädoyer bestätigt: es bedarf einer starken digitalen Zivilgesellschaft, die online wie offline eine demokratische Debattenkultur pflegt und sich klar und deutlich gegen Menschenfeindlichkeit positioniert.  Timo Reinfranks Beitrag zeigt aber auch, dass unsere These ergänzt werden muss: damit die vielfältigen Organisationen des bürgerschaftlichen Engagements auch im Digitalen ihre Rolle in der Demokratieförderung ausfüllen können, müssen die Haupt- und Ehrenamtlichen im Umgang mit Hass und Hetze geschult werden. So sind sie gewappnet mit Hass im Netz, aber ebenso auch mit Hass im „analogen“ Raum souverän umzugehen.

Jetzt sind Sie gefragt: haben Sie im Rahmen Ihres Engagements schon Hass im Netz erlebt? Haben Sie Bedarf für solche Schulungen oder sogar schon eine absolviert?

Hinterlassen Sie einen kurzen Kommentar und diskutieren Sie mit uns und anderen!

Klicken Sie hier, um das Formular zu öffnen: Beitrag schreiben

Beiträge suchen und filtern

Bisherige Beiträge

Was tun, bevor die eigene NGO Zielscheibe für Hass im Netz wird !