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Eine Interessenvertretung für die Zivilgesellschaft in Sachen Digitalisierung?

Dr. Ansgar Klein antwortet:

"Zivilgesellschaftliche Organisationen leisten unverzichtbare Beiträge für ein funktionierendes öffentliches Leben, gerade auch in Krisensituationen. Sie bilden das Rückgrat und den Rahmen für das Engagement von Millionen Bürgerinnen und Bürger und sind so für die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Zusammenhalts von zentraler Bedeutung.

Die Digitalisierung hat in Zeiten der Corona-Pandemie auch innerhalb der Zivilgesellschaft eine enorme Beschleunigung erfahren. Die Kommunikation über digitale Medien ermöglicht Kooperation unter den Bedingungen von social distancing. Aber es gibt auch – das zeigen die Debatten über Fake News, Hate-Speech, Bots und Trolle – enorme Herausforderungen gerade für die Zivilgesellschaft.

Die Gefahr der digitalen Spaltung

Auch gibt es ein sich immer deutlicher abzeichnendes Risiko der zunehmenden digitalen Spaltung: Dort, wo etwa Kinder und Jugendliche auf digitale Lernformate verwiesen sind, hängt vieles davon ab, ob technisches Grundverständnis, Geräte-Ausstattung sowie Unterstützung in der Familie bei den digital vermittelten Lernprozessen gegeben sind. Hinzu kommen die oftmals immer noch bestehenden technischen Versorgungsmängel in zahlreichen Regionen Deutschlands mit einer hinreichenden Netzkapazität. Da haben wir neue „Täler der Ahnungslosen“. Von digitaler Ausstattung und Kompetenz hängen heute Teilhabe, Bildung und Kommunikation ab. Die wachsende Ungleichheit führt zu Ausgrenzung.

Vor diesem Hintergrund ist es für die Zivilgesellschaft von größtem Interesse, digitale Ausstattungen und Kompetenzen zu verbessern, die Risiken der digitalen Kommunikationsräume zu verstehen und Teilhabe für möglichst alle zu ermöglichen. Dies gilt für Vereine, Verbände u.a. Organisationen der Zivilgesellschaft ebenso wie für die über 30 Millionen engagierten Bürger*innen in Deutschland.

Während die „Netzpolitik“ mit ihren hoch spezialisierten Diskursen sich zu einem eigenen dynamischen Politikfeld entwickelt hat, in dem internetaffine Akteure und Plattformen wie Re: Publica, der Chaos Computer Club, die OGP Bewegung Deutschland u.a. dominieren, gibt es nur eine rudimentäre Interessenvertretung der organisierten Zivilgesellschaft in ihrer großen Bandbreite in den staatlichen Gremien, die den Digitalisierungsprozess begleiten und beraten. Demgegenüber gehören Unternehmen und Wirtschaftsverbände selbstverständlich zu den etablierten Beiräten und Beratungsrunden.

Interessensvertretung benötigt

Es ist daher dringend geboten, die Interessenvertretung der organisierten Zivilgesellschaft im Themenfeld der Digitalisierung systematisch zu stärken und die Beratungsgremien der öffentlichen Hand wie auch der Wissenschaft entsprechend zu öffnen. Das „Forum Digitalisierung“ erarbeitet bis 2021 eine integrierte Agenda der Bedarfe und Handlungsempfehlungen der Zivilgesellschaft in der Vielfalt und Breite der Tätigkeitsfelder. Mit dieser Agenda und einer verstärkten Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Expertise in den Beratungsinstitutionen der öffentlichen Hand und der Wissenschaft kann die notwendige zivilgesellschaftliche Interessenvertretung im Digitalisierungsprozess bedeutend vorankommen."

 

 

 

PD Dr. Ansgar Klein ist Gründungsgeschäftsführer des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) sowie Privatdozent für Politikwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Lehrstuhl Politische Theorie, bis 1.10.2018 bei Prof. Herfried Münkler) und Publizist.

 

Das Forum kommentiert:

Das Forum Digitalisierung und Engagement existiert seit Anfang 2020. Bereits in der Kürze der Zeit hat sich gezeigt, wie groß das Bedürfnis vieler zivilgesellschaftlicher Organisationen hinsichtlich einer stärkeren, nachhaltigen und ergebnisorientierten Vernetzung ist. Zeitgleich zeichnete sich im Engagement-Sektor eine Art Ohnmacht ab, wenn es darum geht, mit dem schnellen technologischen Fortschritt mitzuhalten. Die Corona-Pandemie hat in extrem beschleunigter Art und Weise für einen Digitalisierungsschub in der Zivilgesellschaft gesorgt und zeitgleich jedoch essentielle Fragen zur Nutzung und Integration von digitalen Lösungen hervorgebracht. Abermals zeigte sich, dass der technologische Fortschritt aktuell primär durch Akteure der Wirtschaft und im entfernten Sinne durch politische Entscheidungen geprägt und beeinflusst wird. Die Zivilgesellschaft findet sich zu selten an den Runden Tischen zur Diskussion nachhaltiger und sozial-gerechter Technologie wieder. Eine Interessensvertretung der Zivilgesellschaft kann und muss an der Stelle für eine breitere und vor allem nachhaltige Streuung der Stimme der Zivilgesellschaft aufgebaut werden.

Ihre Meinung ist gefragt: Benötigt die Zivilgesellschaft eine eigene Interessenvertretung in Sachen Digitalisierung - ja oder nein? 

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