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Digitale Plattformen – müssen Verbraucher*innen besser geschützt werden?

Aline Blankertz antwortet:

Wie war es eigentlich, bevor Online-Plattformen Einzug in unser Leben gehalten haben? Reisebüros haben Buchungen entgegengenommen, Telekommunikationsanbieter und die Post haben Briefe und SMS teuer abgerechnet und Videos gab es auf DVD zu kaufen. Plattformen haben es nicht nur einfacher gemacht, das passende Produkt, Urlaubsziel, Lied zu finden, sondern auch vielen Anbietern und Händlern eine Möglichkeit gegeben, mehr Menschen zu erreichen.

Seitdem ist viel passiert: Die damaligen Innovatoren haben ganze Märkte übernommen, meist mit legitimen Mitteln, weil Markteigenschaften wie Netzwerkeffekte und Größenvorteile dies begünstigt haben. Gleichzeitig wachsen Zweifel daran, wem die Plattformen dienen. Oftmals ist es weiter im Interesse der Plattformen, Verbraucher:innen das beste Ergebnis zu geben, das relevanteste Suchergebnis, die schnellste Verbindung, den günstigsten Preis.

Manchmal ist das allerdings nicht der Fall und da sollten wir besonders aufmerksam sein. Plattformen haben kaum Anreiz, über besseren Datenschutz zu konkurrieren, denn Verbraucher:innen können den Unterschied zwischen Datenschutzbestimmungen und den Nutzen von Datenschutzfreundlichkeit nicht erfassen. Es lohnt sich also meist, nur den nötigsten Datenschutz umzusetzen.

Auch bei Empfehlungen können die Interessen von Plattform und Nutzer:innen kollidieren: Wenn Plattformen ihre eigenen Produkte empfehlen oder wenn sie Nutzer:innen möglichst lange möglichst stark emotional involvieren, ist Skepsis angebracht. Verbraucher:innen können Schaden nehmen – durch zu hohe Preise, aber auch, indem ihnen politisierte oder sogar irreführende Meinungen näher gebracht werden, als ihnen lieb ist.

Plattformen sind für viele Nutzer:innen unentbehrlich. Oft schaffen sie großen Wert. Doch wir sollten uns nicht blind auf sie verlassen: Im Zweifelsfall vertreten sie ihre eigenen Interessen und nicht die der Verbraucher:innen. Und in diesen Fällen brauchen wir stärkere Regeln, um das Schadenspotenzial zu begrenzen.

Aline Blankertz leitet das Projekt Datenökonomie bei der Stiftung Neue Verantwortung, einem unabhängigen Think Tank, und untersucht ökonomische, technische und gesellschaftliche Fragestellungen, um innovative datenpolitische Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

 

Das Forum antwortet:

Regulierungen sind meist umstritten und rufen bei vielen Menschen sofort Verbotsszenarien hervor. Angesichts der immer weiter fortschreitenden Plattformisierung und der durchaus marktbeherrschenden Position einiger großer Plattformen ist der Handlungsbedarf offensichtlich. Welche Plattformen sind damit gemeint? Suchmaschinen, Online-Marktplätze, App Stores, Preisvergleichswebsites und die allseits bekannten Social Media-Plattformen. Wenn wir daran denken, wie oft wir im Privat- und im Arbeitsleben Berührungspunkte mit diesen Plattformen haben und sei es nur durch eine einfache Google-Suche, merkt man wie eng verzahnt diese Akteure mit unser Online-Aktivität sind. Zum einen ist die Marktdominanz ein paar weniger Plattformen heikel und grenzt an monopolistische Markbeherrschung. Zum anderen ist die ungeheuer große Datenmenge, die diese Akteure kontrollieren, problematisch. Es ist in unser aller Interesse diese Daten- und Marktmacht einzuhegen, um unsere digitale Souveränität zu bewahren.

Auch ist eine sinnvolle Regulierung hinsichtlich Hass im Netz und Desinformations-Kampagnen von Nöten: diese sollte nicht durch die Plattformen selbst erfolgen und dadurch intransparente, zensur-ähnliche Zustände erschaffen, sondern hier sollte sich die EU mit einer digitalen Strategie im Sinne der digitalen Souveränität der Bürger*innen einbringen. Hierbei muss der Fokus aber verstärkt auf dem Geschäftsmodell der Plattformen liegen. Die Inhalte selbst sind oftmals weniger problematisch als das hinter den Plattformen stehende Geschäftsmodell, welches Kapital aus den Aufmerksamkeits-heischenden, extremen Inhalten schlägt. Wenn man sich zu sehr auf die Inhalte von Nutzer*innen konzentriert, läuft man Gefahr durch Überregulierung eine vorschnelle Löschung von (un-)bedenklichen Inhalten seitens der Plattformen zu erreichen. Das mag nach einer einfachen Lösung für den Gesetzgeber klingen, würde den Plattform-Betreibern aber im Endeffekt mehr Macht statt weniger verleihen.

Hintergrund: Das europäische Parlament hat am 20. Oktober 2020 zwei Berichte zu einer Rechtsetzungsinitiative hinsichtlich des Digital Service Act verabschiedet, die der Kommission vorgelegt werden. Im Dezember 2020 soll das Paket zum Gesetz der digitalen Dienste vorgelegt werden.

 

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