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Braucht es mehr Vernetzung zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren?

Carolin Silbernagl antwortet:

"Damit Mensch und Natur langfristig gut auf unserem Planeten leben können, gibt es viel zu tun. Damit das gelingt, tut ein höheres Maß an Miteinander Not. Vernetzung bildet dazu den ersten Schritt. Denn die Krisen von Klima und Biodiversität, die zunehmende gesellschaftliche Spaltung oder die Bewältigung der globalen Pandemiefolgen sind in ihrer Komplexität nicht im Alleingang anzugehen. Voneinander wissen, sich er-kennen, Informationen und Einschätzungen austauschen – all das baut das Fundament für größere gemeinsame Intelligenz, fürs Miteinander-Tun und Miteinander-Wirken.

Die Zivilgesellschaft scheint gute Voraussetzungen mitzubringen: Wir teilen gemeinsame Wirkungsziele, bauen auf auf historisch gewachsene Strukturen wie Verbände und Kooperativen und arbeiten vielfach in jahr(zehnt)e lang gewachsenen persönlichen Netzwerken. Digitale Technologie tut das ihre dazu: Social Media, Messenger, Blog- und Themenplattformen erweitern die Möglichkeiten des In-Kontakt-Kommens und In-Kontakt-Bleibens.

Die Gretchenfrage aber ist: Was wollen wir von unseren Netzwerken? Wofür nutzen wir sie? Sollen sie den positiven gesellschaftlichen Wandel verstärken – oder dienen sie eher als Seilschaften im Organisationsinteresse? Für ersteres braucht es nicht nur viele Verbindungen, sondern ein bewusstes Gestalten der Verbindungsqualität. Dann geht es nicht darum, selbst im Zentrum von Informationsflüssen und Kooperationsgelegenheiten zu stehen, sondern um das gemeinschaftliche Weben eines Ökosystems.

Netzwerkqualität und kollaborative Kultur

Mehr als ein quantitatives Mehr an Netzwerken (wobei auch das nie schadet), braucht die Zivilgesellschaft ein Plus an Netzwerkqualität. Mit mehr Zeit für und Fokus auf gemeinschaftliche Wirkung. Mit neuen Förderkontexten, die das organische Bilden und auch das Sich-Lösen von Allianzen ermöglichen. Vor allem aber auch mit einer kollaborativen Kultur, die sich in die Karten schauen lässt, Schwächen zugibt und Stärken sichtbar macht, damit sie wie Puzzleteile ineinander greifen können."

 

Carolin Silbernagl setzt sich als Sozialunternehmerin (betterplace, dotHIV) für eine gemeinwohlorientierte Nutzung digitaler Technologien ein. Derzeit aktiviert sie als API (Netzwerk-Schnittstelle) bei der Stiftung Bürgermut gemeinschaftliches Lernen und Besser-Machen im covid-bedingten #NewNormal.

 

Das Forum kommentiert:

Vernetzung ist gleichsam in der DNA des bürgerschaftlichen Engagements verankert. Auch das BBE ist über die Jahre zu einem großen, weitverzweigten Netzwerk geworden und kann so eine starke politische Stimme für das Engagement sein. Nicht nur, aber besonders jetzt in der Corona-Pandemie ist deutlich geworden, wie wichtig neben der klassischen Vernetzung auch die digitale Vernetzung geworden ist. Diese muss aber, wie Carolin Silbernagl betont, qualitativ gut sein. Den Ruf nach einer neuen kollaborativen Kultur möchten wir doppelt unterstreichen, da wir in dieser, sich sehr schnell verändernden, digitalen (und analogen) Welt nur zusammen bestehen können und uns gegenseitig unter die Arme greifen müssen und das durch eine sinnvolle Verknüpfung analoger mit digitaler Vernetzung, um der DNA des bürgerschaftlichen Engagements treu zu bleiben.

Ihre Meinung ist gefragt: wie kann die Zivilgeselllschaft diese Netzwerkqualität erreichen?

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